Philosophie

Der Ansatz von apenio® stützt sich auf ein Pflegeverständnis, das die individuelle Situation des betroffenen Menschen (die Beeinträchtigung des psychischen, physischen und seelischen Wohlbefindens, der für die Pflege relevant ist) in den Mittelpunkt rückt und sich nicht explizit an den zu erbringenden Pflegeleistungen oder der zugrunde liegenden Erkrankung orientiert. apenio® begleitet das pflegerische Handeln in einem nach dieser Haltung ausgerichteten Pflegeprozess und führt die Pflegenden automatisch durch die einzelnen Prozessschritte.
Die Philosophie von apenio® sieht daher vor, dass Pflegehandlungen immer zunächst auf der Einschätzung der individuellen Situation des Betroffenen (Assessment) basieren, ohne Assessment kann also keine Pflegeplanung vorgenommen werden. Die Vorgabe für die pflegerische Leistungserfassung generiert sich automatisch aus der Pflegeplanung, so das ohne Pflegeplanung keine Leistungserfassung möglich ist. Zudem ist eine verbindliche Evaluation der Pflegeleistungen vorgegeben. Wird die Evaluation nicht durchgeführt, kann auf die Pflegeplanung und Leistungserfassung nicht mehr zugegriffen werden.
Die wesentliche Grundlage der Pflegeplanungs- und Dokumentationssoftware apenio® bildet eine wissenschaftlich basierte Typologie, die den Pflegenden ein Assessment und eine Pflegeplanung auf dem Boden pflegewissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse ermöglicht.
Darüber hinaus bietet die vollständige und verbindliche Abbildung des gesamten Pflegeprozesses eine systematische Auswertung der Daten. Es können daher nicht nur Aussagen darüber getroffen werden, welche Beeinträchtigung bei welcher Ursache häufig auftritt, sondern auch, welche pflegerischen Maßnahmen hier am häufigsten durchgeführt werden. Neben dieser rein deskriptiven Ebene können aufgrund der klaren Ziel- und Ergebniserfassung auch vereinfacht Rückschlüsse auf positive Wirkungen von Maßnahmen gezogen werden, wenn auch keinesfalls kausale Zusammenhänge herzustellen sind.
Ein besonderer Anspruch in der Konzeption von apenio® liegt in der kontinuierlichen Berücksichtigung und Integration pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse in jedem Entwicklungsschritt der Software.
Typologie
Ein zentrales Element von apenio® stellt die in den Jahren 2000-2002 vom Institut für angewandte Pflegeforschung (heute: Abteilung für interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung (iap)) an der Universität Bremen inhaltlich entwickelt Typologie dar. Diese entstand im Rahmen des Projektes „Pflegeprozess, Standardisierung und Qualität im Dienstleistungssektor Pflege“, welches aufgrund der Förderung von Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) realisiert werden konnte.
Die Basis der Typologie lieferte eine empirische Untersuchung in Krankenhäusern, Einrichtungen der Altenpflege und ambulanten Pflegediensten, die unterschiedliche Problemlagen und Fragestellungen bezüglich der Pflegeprozesserfassung abbildete. Die Erkenntnisse aus der Praxis sowie eine Analyse bedürfnisorientierter Pflegetheorien (z. B. nach Orem, Roper) flossen in die anschließende Typologieentwicklung ein.
Die Typologie apenio® wird bewusst nicht als Klassifikation bezeichnet, da weder eine pflegeinhaltliche, noch eine semantische hierarchische Ordnung vorgenommen wurde. Stattdessen kann von einer Nebenordnung, also einer Gleichwertigkeit aller Phänomene und Handlungen gesprochen werden.
In der Systematik setzt die Typologie an allen Punkten prozesshafter Pflege an und wird nach folgenden Elementen strukturiert, die jeweils in Katalogen geordnet sind:
- Kategorien basierend auf den bedürfnisorientierten Pflegetheorien, denen Pflegephänomene zugeordnet sind.
- Beurteilungsskalen mit Ausprägungsgraden (Definitionen), die den Phänomenen zugeordnet sind.
- Ursachen, die zur Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes bei einem Phänomen führen. Diese Ursachen können erkrankungs- (ICD) und diagnose- bzw. therapiebedingt (OPS) sein, sie können psychisch-, sozial- oder umweltbedingt auftreten bzw. durch körperliche Beeinträchtigung oder Beeinträchtigungen in der Umsetzung ausgelöst werden.
- Körperorte, an denen sich eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens manifestieren kann (wenn relevant).
- Detaillierte Pflegeinterventionen mit den Schwerpunkten: Ausführen, Kommunizieren, Beobachten, Betreuen, Managen.
- Umfassender Hilfsmittelkatalog, wobei einzelne Hilfsmittel den Interventionen logisch zugeordnet wurden.
In einem zweiten Projekt gelang es durch die Kooperation zwischen dem Institut für angewandte Pflegeforschung und der atacama Software GmbH die Typologie auf einer anwenderfreundlichen Softwareoberfläche abzubilden. In diesem Projekt erhielt Apenio den heutigen Namen apenio®, der für Assessment based planing and evaluation of nursing interventions and outcome steht.


